Leuchtende Pilze – Wenn der Wald nachts glüht

Ich saß allein im dunklen Wald und trommelte. Dann fiel mir etwas auf — ein schwaches Leuchten im Laub, keine zwei Meter entfernt. Kein Knicklicht. Kein Irrlicht. Ein Pilz.

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Ich trommelte und wartete.

Das ist Teil einer Nachtaktion, die ich Drum Stalk nenne — ein Trommel-Lauf, bei dem sich die Kinder allein durch den dunklen Wald zur Trommel vorarbeiten. Keine Taschenlampen. Kein künstliches Licht. Nur die Nacht, der Wald und das ferne Trommeln, das ihnen den Weg weist.

Ich saß also still, trommelte in regelmäßigem Rhythmus und lauschte in die Dunkelheit — auf Schritte, auf Knacken, auf das leise Rascheln, das verrät, dass jemand näherkommt. Und dann fiel mir etwas auf. Seitlich, keine zwei Meter entfernt, zwischen altem Laub und verrotteten Ästen. Ein schwaches, blaugrünliches Schimmern. Kaum sichtbar, aber eindeutig da.

Ich hörte kurz auf zu trommeln. Schaute. Es war noch immer da.

Als die ersten Kinder ankamen, flüsterte einer: „Was ist das?" Ein Vater, der die Klasse begleitete, war überzeugt, dass jemand ein Knicklicht ins Laub gelegt hatte. Ich verstand den Gedanken — unser Gehirn sucht nach Erklärungen, die es kennt. Aber es war kein Knicklicht.

Es war ein Pilz.

Foxfire — Das Leuchten des Waldes

Leuchtende Pilze sind keine Erfindung von Märchenbüchern. Sie existieren wirklich, sie sind wissenschaftlich gut dokumentiert, und sie sind weit verbreiteter, als die meisten Menschen ahnen.

Das englische Wort dafür lautet Foxfire — Fuchsfeuer. Der Begriff taucht schon im Mittelalter auf, als Menschen dieses unerklärliche Leuchten in alten Wäldern beobachteten und es sich nicht anders erklären konnten als durch übernatürliche Kräfte. Irrlichter, Geister, der glühende Atem von Füchsen. Heute wissen wir: Es ist Biolumineszenz.

Weltweit sind über 100 Pilzarten bekannt, die Licht erzeugen können. In Mitteleuropa — und damit auch in Brandenburg und Berlin — sind es vor allem einige wenige Arten, denen man begegnen kann. Unter ihnen der Hallimasch.

Warum leuchten Pilze überhaupt?

Biolumineszenz entsteht durch eine chemische Reaktion: Ein Stoff namens Luciferin wird durch ein Enzym — die Luciferase — oxidiert, und dabei wird Energie nicht als Wärme, sondern als Licht freigesetzt. Das Besondere daran ist, dass dieses Licht kalt ist. Es erzeugt keine Wärme, verbraucht kaum Energie und ist für das bloße Auge sichtbar — aber nur in wirklicher Dunkelheit.

Warum Pilze das tun, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine Theorie lautet, dass das Leuchten Insekten anzieht, die dabei helfen, Sporen zu verbreiten. Eine andere, dass es andere Organismen abwehrt. Möglicherweise ist es auch ein Nebenprodukt des Stoffwechsels — eine zufällige Eigenschaft, die sich nie als Nachteil erwiesen hat und deshalb geblieben ist.

Die Natur hat keine Pflicht, uns ihre Gründe zu erklären. Manchmal leuchtet sie einfach.

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Welche Pilze leuchten — und wo du sie findest

In deutschen Wäldern ist der bekannteste leuchtende Pilz der Hallimasch — genauer: das Myzel des Hallimasch. Das Myzel ist das unterirdische Fadennetz eines Pilzes, also das eigentliche Lebewesen, von dem der Fruchtkörper nur ein kleiner sichtbarer Teil ist. Das Myzel des Hallimasch kann in verrottendem Holz, in alten Baumstümpfen und in der feuchten Schicht unter der Laubschicht schwach leuchten.

Wichtig zu wissen: Es ist nicht der Pilzhut, der leuchtet, sondern das im Holz verborgene Geflecht. Deshalb sieht man das Leuchten oft erst dann, wenn man einen alten Ast umdreht oder den Boden unter dem Laub freilegt.

In Brandenburg und Berlin wirst du leuchtende Pilze vor allem in feuchten Laubwäldern finden — in alten Eichen- und Buchenmischwäldern, in Erlenbrüchen, an bachbegleitenden Gehölzen. Die besten Bedingungen: warme Sommernächte, hohe Luftfeuchtigkeit, gut verrottetes Totholz.

Was man braucht, um es zu sehen

Das ist das Entscheidende — und der Grund, warum die meisten Menschen dieses Phänomen nie erleben, obwohl es direkt vor ihnen liegt: Man braucht echte Dunkelheit.

Nicht Stadtdunkel. Nicht Taschenlampendunkel. Sondern das Dunkel eines Waldes, weit genug von Straßenlaternen entfernt, nach einer langen Gewöhnungsphase für die Augen.

Unsere Augen brauchen bis zu dreißig Minuten, um sich vollständig an Dunkelheit anzupassen. Genau deshalb arbeiten wir beim Drum Stalk ohne künstliches Licht — nicht als Mutprobe, sondern weil echte Dunkelheit die Voraussetzung ist, um den Wald wirklich wahrzunehmen. Wer mit der Taschenlampe durch die Nacht geht, sieht einen kleinen erleuchteten Kreis. Wer ohne geht, sieht irgendwann alles.

Und manchmal auch das, womit man nicht gerechnet hat.

Was dieser Moment mit Wildnispädagogik zu tun hat

Ich hatte an jenem Abend keinen leuchtenden Pilz geplant. Er stand in keinem Programm, keiner Vorbereitung, keiner Absicht. Er war einfach da — und ich war ruhig genug, um ihn zu bemerken.

Das ist der Kern wildnispädagogischer Arbeit: Bedingungen schaffen, in denen die Natur sprechen kann. Kein künstliches Licht, kein Lärm, kein volles Programm. Stattdessen Stille, Dunkelheit und die Bereitschaft, überrascht zu werden.

Ich weiß nicht, ob die Kinder dieser Klasse sich noch an alle Details der Klassenfahrt erinnern werden. Aber ich bin ziemlich sicher, dass sie sich an dieses schwache, blaugrüne Leuchten im Laub erinnern. An die Stimme, die flüsterte: „Was ist das?" An den Moment, in dem der Wald etwas zeigte, das keiner erwartet hatte.

Das sind die Momente, die bleiben.


Wenn du solche Erfahrungen mit deiner Klasse, deiner Familie oder als Erwachsener machen möchtest — Nachtaktionen und Drum Stalk gehören zu meinen Angeboten in Berlin und Brandenburg. Melde dich gern.

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